< Vorfreude | Dreck-scheu >

Grundlagenausdauertour

Als ich um 10:00 Uhr auf das KISH gestiegen und losgefahren bin, lockerte sich die Wolkendecke langsam auf, doch die Wahrscheinlichkeit heute auf Sonne zu treffen, war ziemlich klein. Es war zwei, drei Grad über Null, die Strassen waren trocken und ich hatte die Schutzbleche demontiert. Ich freute mich auf eine längere Meditationstour. Zielgrösse, etwa vier Stunden.

Ich entschied mich, ungefähr die gleiche Runde zu fahren wie am 24. Januar. Also via Uster um den Greifensee, dann über den Pfannenstiel an den Zürichsee, quer durch die Stadt und dann irgendwie nach Hause.

Schon bald hatte ich einen guten Rhythmus zwischen atmen und treten. Diese Gleichförmigkeit befreit mich geistig ziemlich rasch vom Körperlichen und dann habe ich einfach nur noch Zeit. Oft bestimmen dann visuelle Eindrücke das Geschehen. Ich versuche bewusst den Kopf zu heben um mehr zu sehen und auch wirklich hin zu sehen. Wo liegt noch wie viel Schnee? Wie wandern die Wolken am Himmel? Kann ich in die verschneiten Berge sehen? Weshalb liegt so viel Abfall entlang der Strasse? Auffallend viele Red Bull Dosen werden scheinbar aus fahrenden Autos geworfen. Verleiht dieser Drink vor allem der Dose Flügel? Und so weiter.

An Steigungen, wenn das Tempo fällt und der Puls steigt, denke ich auch gerne über Dinge nach, die mich gerade so beschäftigen. Der Job, die Vitaltrainer-Diplomarbeit, private Dinge... All das geht eigentlich nur, wenn ich alleine unterwegs bin. Nur wenn ich mich auf nichts und niemanden konzentrieren muss und wenn kein Zweiter das Tempo bestimmt, dann  kann ich meditierend Velo fahren. Und natürlich auch nur, wenn der Untergrund einfach ist und keiner besonderen Aufmerksamkeit bedarf. Also auf einer Strassentour,  in bekannter Umgebung, an einem Tag wie heute...

Kurz nach dem höchsten Punkt der Tour drückte doch noch für einen kurzen Moment die Sonne etwas durch. Das war natürlich genau der richtige Zeitpunkt für ein Foto. Blickrichtung Süden, unten der Zürichsee, dahinter Zuger Land und dann die "richtigen" Berge. Darüber ein ganz interessanter Himmel. Ja, da lohnt es sich wirklich kurz anzuhalten und ganz bewusst zu schauen und zu geniessen. Meinem Gesicht sieht man irgendwie an, dass ich schon über zwei Stunden an der frischen, kalten Luft unterwegs war.

Ich bin dann eingangs Zürich in das genau gleiche Kaffe gegangen, wie vor vier Wochen. Langsam hatte ich kalt und wollte mich mit einem Kaffe und etwas Süssem wieder etwas aufwärmen, was locker gelang. . Als ich dann später  über die Quaibrücke gefahren bin überlegte ich kurz, ob ich eines dieser Quaibrücke-Bilder machen soll, wie es hier schon einige zu sehen gab, doch dafür war heute das Wetter zu wenig gut, zuwenig blauer Himmel, zuwenig Farbe und zu wenig Kontrast. Bei einer kleinen Bootsanlegestelle in der Nähe des Bürkliplatzes habe ich dann das Foto rechts gemacht. Im Hintergrund links sieht man das Kino Corso und rechts das Zürcher Opernhaus, davor das Bernhard Theater.

Ich hatte noch genügend Zeit und Lust um den Heimweg etwas zu verlängern und so machte ich mich auf den Weg nach Bülach um noch kurz bei Philipp, in seinem Bikeshop vorbei zu sehen. Auf dem Weg dahin ging mir dann aber langsam die Kraft etwas aus und so musste ich auf den letzten Kilometern doch noch etwas beissen und  freute ich mich drum schon richtig auf eine Tasse heissen Kaffee. Nur leider traf ich beim Bikeshop auf verschlossene Türen - Betriebsferien - genau diese Woche. Hmmm. Ich musste etwas essen und trinken und deshalb steuerte ich den nächsten Tankstellenshop an. Ich war doch ziemlich fertig. Vor mir lagen noch etwa 8 Kilometer und 150 Höhenmeter, dabei das steilste Stück des Tages. Da brauchte ich vorher schon noch eine Zuckerinfusion. Frisch gestärkt gings dann weiter, doch meine Beine waren wirklich langsam leer. Ich musste an diesem steilen Stück auf ganz kleine Gänge schalten und  kurbelte dann ziemlich langsam hoch. Angenehm war dabei, dass es mir nicht auf die Stimmung drückte. Ich war nur körperlich müde, ich Kopf war ich noch immer gut motiviert und positiv eingestellt. In solchen Situationen denke ich oft, dass der eintretende körperliche Schmerz, ausgelöst durch die Überbelastung, ein Signal für zukünftigen Fortschritt ist. Nur wenn man über das normale Trainingsniveau hinausgeht, wird sich der Körper entsprechend anpassen, sowie die Ausdauer steigern. Auch unter diesem Aspekt war es heute eine schöne und lohnende Tour. Der Tacho sagt: 90 km., 4:31 Std., 910 Hm.

Zum Abschluss noch ein kurzer Dank ans Schicksal, welches es wirklich gut mit mir meint. Ich weiss dass es ein Privileg ist, unter der Woche soviel Zeit zu finden um eine solche Tour fahren zu können. Danke!

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