Film Festival

Gestern startete das 15. Zürich Film Festival. Das Festivalzentrum befindet sich auf dem Sechseläutenplatz und von da führt ein grüner Teppich zum Kino Corso, wo die Hauptfilme des Festivals gezeigt werden. Das Festival dauert 10 Tage und endet mit der Preisverleihung am 6. Oktober im Opernhaus.

Persönlich kann ich nicht viel dazu sagen. Ich bin kein Filmfreak und kann mich nicht einmal daran erinnern, wann ich zum letzten Mal im Kino war. Auch das ganze VIP-Zeugs, mit Fotosessions auf dem grünen Teppich, lässt mich ziemlich kalt. Da bin ich ein völliger Ignorant. Ich mag es den Leuten, die auf so etwas stehen, aber durchaus gönnen. Jedem das Seine.

Einsparungen

Rein geschäftlich läuft dieses Jahr ja nicht so rosig und mit dem Wegzug von Arjun bin ich nun der Einzige, der für alle Firmenkosten aufkommen muss. So überlegte ich mir natürlich, wie ich an dem einen oder anderen Ort Kosten einsparen könnte. Ein wichtiger Kostenfaktor sind die drei Parkplätze im Stadtzentrum.

Seit Januar 2014 sind wir da eingemietet. Die Garage liegt strategisch gut, das passt soweit. Im Laufe des Jahres habe ich mit einem anderen Mieter gesprochen und ab Oktober werde ich nun den vorderen Parkplatz untervermieten. Die 4 Rikschas und mein Motorrad haben auf den verbleibenden zwei Parkplätzen genügend Platz. So kann ich ab nächstem Monat 1/3 der Mietkosten einsparen. Das ist gut so.

Spätsommer

Derzeit erleben wir sehr schöne Spätsommertage mit angenehmen Temperaturen. Es herrscht eine angenehm entspannte Atmosphäre in der Stadt und ich kriege auch entsprechende Buchungen für Rikschafahrten. Wie schon in den Jahren zuvor entwickelt sich der Monat September bisher recht positiv. Das ist sehr gut und das kann ich wirklich gebrauchen.

Es herbstelt

Der Herbst hat schnell und kräftig Einzug gehalten. Anfang der Woche war es noch sonnig und 25 Grad, während es nun vorwiegend grau ist und die Temperatur deutlich unter 20 Grad gesunken ist.

Ich bekunde etwas Mühe, mich dieser Veränderung anzupassen. Trotz langer Velohose, Unterleibchen und Langarm-Shirt fröstelt es mich, wenn ich rumstehe und auf Rikscha-Kunden hoffe. Es braucht wohl ein paar Tage, bis sich mein Körperempfinden daran gewöhnt. Und natürlich hat es auch gleich weniger Menschen in der Stadt. Einheimischen geht es wohl wie mir und für Touristen ist nun Zwischensaison. Auch mental braucht das einen Anpassungsprozess. Sunny days are over... oder zumindest machen sie jetzt einmal Pause.

perfekter Arbeitstag

Mein heutiger Arbeitstag startete um 10:00 Uhr mit einer einstündigen Stadtrundfahrt. Die Gäste sind ein deutsches Rentnerpaar, welche die Rundfahrt von Ihren Söhnen geschenkt bekamen. Sie sind aufgestellt, kommunikativ und begeisterungsfähig, die perfekte Mischung! Die Zeit vergeht im Flug und beim Aussteigen bedanken Sie sich mehrfach und geben 10 Euro Trinkgeld. Schön, diese Rikschafahrt wird Ihnen in guter Erinnerung bleiben.

Dann eine halbe Stunde Pause. Toilettenstop,danach Kaffee und Gipfeli. Um 11:30 Uhr folgt eine 30 Minuten Tour mit Grosmami und Enkelin. Beiden gefällt es super und schon fallen weitere 10 Franken ins Trinkgeld-Kässeli. Sehr gut!

Am Nachmittag bin ich für eine Hochzeitsfahrt in Bülach gebucht. Ich fahre also in die Garage um die Rikscha zu wechseln. Luftdruck prüfen, die richtigen Dachleisten montieren, Computer und Sattel von meiner Rikscha an die Hochzeitsrikscha tauschen und schon bald bin ich startklar.

Das Wetter ist ideal. Meist sonnig, ein paar Schäfchenwolken und mit 25° Grad sehr angenehm und nicht heiss. Ich weiss nicht genau, wie lange ich für die rund 20 Kilometer bis nach Bülach brauche, doch ich habe genügend Zeit, denn ich muss erst um 15:00 Uhr vor Ort sein. Ich kann also gemütlich zum Milchbuck hochkurbeln und dann via Oerlikon, Glattbrugg, Rümlang nach Oberglatt fahren.

Ich weiss: Solche Fotos gab es hier schon öfters zu sehen. Doch noch nie mit der Rikscha im Vordergrund. ;-)

Obwohl ich es gemütlich nahm, war ich fast eine Stunde zu früh da und so konnte ich noch locker eine weitere Kaffeepause einlegen. Wie es sich gehört, fahre ich fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin beim Treffpunkt vor. Die Brautmutter, die mich gebucht hat, begrüsst mich freundlich und bezahlt gleich vorab den vereinbarten Preis. Etwas Smalltalk und schon kommt das Brautpaar. Mit ein paar kleinen Umwegen fahren wir zum Standesamt, wo bereits Freunde und Angehörige warten und uns freudig in Empfang nehmen, Alle sind happy und mein Einsatz ist schon zu Ende. Alles tip top.

Nun geht es also wieder fast zwei Stunden zurück nach Zürich. Ich geniesse den herrlichen Tag und habe es überhaupt nicht eilig. Kurz nach 17 Uhr parkiere ich dann die Rikscha in der Garage. Auf dem Tacho stehen 57 Kilometer. Das ist mit der 90 Kilo Rikscha ein schönes Fitnesstraining.

Alle Gäste waren zufrieden, ich bin zufrieden und die Kasse stimmt. Das war wirklich ein perfekter Arbeitstag!

Anfängerfehler

Heute war ich zum 8. Mal mit der Rikscha an der Streetparade Zürich unterwegs. Zugegeben, ich war nicht sonderlich motiviert. Dieser Hedonismus-Event ist einfach nicht so meins. Doch Geschäft ist Geschäft, also los.

Es lief eigentlich ganz ansprechend. Immer wieder kleine Taxifahrten zur Parade und später davon weg. Ich habe mich nicht mal sonderlich geärgert, als mir schon abends um sieben Uhr eine völlig zugedröhnte Frau in die Rikscha kotzte. Was soll's. Zum nächsten Brunnen fahren und die Rikscha putzen. Dann einen Kaffee und etwas Süsses und weiter geht's.

Abends um neun Uhr machte ich dann die nächste Pause und wollte danach die Beleuchtung montieren. Ich war mir sicher, dass der Akku der Frontbeleuchtung fast voll geladen ist. Als ich diesen jedoch auspackte war ich erstaunt, dass die Lampe bereits mit dem Akku verbunden war. Das ist nicht gut, denn so entlädt sich der Akku ganz langsam. Es war also nicht verwunderlich, dass nun der Akku leer war und somit kein Licht zur Verfügung stand. Mist. Ein absoluter Anfängerfehler. Das hätte ich am Freitag kontrollieren sollen. Nun war es zu spät.

Ich machte kurz Kassensturz. Ja, ganz o.k. Um zehn Uhr morgens fuhr ich mit der Rikscha aus der Garage, also war ich schon 11 Stunden unterwegs. Der Tacho zeigte 54 Kilometer. Also: Ich streiche die Segel und packe zusammen. Ich will nachts nicht ohne Licht unterwegs sein. Da werde ich bestimmt von der Polizei gestoppt. Das brauche ich nicht. Das Gefühl ist gemischt. Einerseits könnte man bis nach Mitternacht noch gut Geld verdienen, doch andererseits bin ich auch schon müde und die Betrunkenen und unter Drogen stehenden Leute nehmen zu. Wie auch immer. Es ist wie es ist. Das wird mir nächstes Jahr ganz sicher nicht passieren.

good news

Das Rikschajahr verlief bisher eher harzig und deshalb bin ich doch erleichtert, wieder einmal gute Neuigkeiten präsentieren zu können.

Ich konnte mit dem Reisebüro Tourasia einen langfristigen Werbepartner gewinnen. Nachdem wir schon Anfang Jahr zusammengearbeitet haben, sind wir jetzt zu einer Vereinbarung bis Ende nächsten Jahres gekommen. Das freut mich natürlich riesig, denn dadurch sind schon einmal ein paar Basiskosten gedeckt. Asien und Rikscha - das passt einfach gut zusammen. Zudem finde ich die Dekoration richtig schick. Es macht Spass, so durch Zürich zu fahren.

Züri-Fäscht 2019

Alle drei Jahre findet an drei Tagen (Freitag-Sonntag) das "Züri-Fäscht" statt. Ein riesiges Volksfest, an dem insgesamt mehr als zwei Millionen Besucher erwartet werden. Natürlich eine gute Ausgangslage um mit der Rikscha Taxifahrten anzubieten und Umsatz zu machen.

Höhepunkte am Freitag- und Samstagabend sind jeweils die Feuerwerke um 22:30 Uhr. Danach geht das Fest noch weiter bis in die frühen Morgenstunden. Man kann also davon ausgehen, dass bis 22:30 Uhr die Leute zum Fest hinwollen (welches vorwiegend entlang des Seebeckens stattfindet) und ab 23:00 Uhr wollen die Leute dann vorwiegend in Richtung Hauptbahnhof oder nach Hause.

Es ist dies nun das dritte Züri-Fäscht, welches ich als Rikschafahrer erlebe und leider muss ich sagen, dass es für mich zunehmend unattraktiv wird. Dies hängt vor allem mit den verschiedenen Terroranschlägen der letzten Jahre zusammen. Die Sicherheitsvorkehrungen werden immer aufwendiger und die Absperrungen rigoroser. Dieses Jahr wurde in einem grossen Bereich der Innenstadt sogar ein absolutes Fahrverbot -auch für Velos- durchgesetzt. Das heisst: Ich komme mit der Rikscha auch nicht mehr richtig zum Festgeschehen, sondern höchstens bis zu den Abschrankungen, die von vielen, bewaffneten Polizisten verteidigt werden. Da gibt es kein Durchkommen. Natürlich habe ich dafür Verständnis. Würde wirklich etwas passieren, so wäre das Geschrei natürlich riesig und wären die Vorkehrungen nicht entsprechend gross ausgefallen, so würde die Polizei und der Sicherheitsvorstand in der Luft zerrissen. Es ist einfach irgendwie schade, dass es so etwas in der heutigen Zeit wirklich braucht... und wie gesagt: Für mein Geschäft als Rikschafahrer ist das auch nicht wirklich gut, denn es wird dadurch sehr schwierig -oder manchmal auch unmöglich- die Leute da hinzubringen, wo sie gerne hinmöchten.

So beschränkte ich mich also vorwiegend auf Fahrten bis zu den Absperrungen hin oder von da weg. Auch das geht. Und bei so vielen Besuchern findet man auch immer wieder Gäste, die unser Angebot nutzen.

Am Freitagnachmittag hatte ich noch eine gebuchte Stadtrundfahrt durch Aussenbezirke und so war ich schon früh bereit für das Fest. Ich lernte dann aber, dass das wirkliche Geschäft eigentlich erst nach dem Feuerwerk beginnt. Dann sind die Leute langsam müde und sind froh, wenn sie nicht mehr gehen müssen (vor allem Frauen mit hohen Absätzen). Ich bin dann bis am Samstagmorgen um 2 Uhr gefahren und war dann einfach kaputt. Deshalb bin ich am Samstagabend dann erst gegen 22 Uhr in die Stadt gefahren und habe dann bis am Sonntagmorgen um 4 Uhr gearbeitet. Dann nahm das Interesse langsam ab und auch die Anzahl Betrunkener nahm zu, was ich dann nicht wirklich schätze.

Insgesamt war es anstrengend aber lohnend. Das sind Nächte, die man als Rikschafahrer einfach nutzen muss. Vergleichbar dazu gibt es nur noch die Streetparade. Auch da werde ich erst spät starten um dann lange durchzuhalten.

tropisch

Derzeit haben wir hier tropische Temperaturen. Schon die ganze Woche ist es über 30° Grad, am Mittwoch 33° und gestern gar 35° Grad. Eine brütende Hitze, die noch bis mitte nächster Woche anhalten soll.

Das belastet den Rikschafahrer natürlich ziemlich. Schon beim rumstehen läuft der Schweiss und wenn dann Gäste in der Rikscha sitzen, wird es ganz schön anstrengend. Trotzdem hätte ich gerne mehr Fahrgäste. Die Leute bleiben in den Häusern und die Touristen suchen den nächstgelegenen Platz im Schatten. Trotz tollem Wetter bleibt das Geschäft schwierig.

blau machen

Dieser Eintrag hat eine Vorgeschichte. Es ist ja nicht normal, dass ich an einem sonnigen und warmen Tag nicht mit der Rikscha in der Stadt unterwegs bin, sondern eine Biketour fahre.

Die Vorgeschichte geht in etwa so. Wie schon öfters erwähnt, fällt es mir sehr schwer, spontan Gäste für eine Rikschafahrt zu finden. Sei es für eine Stadtrundfahrt oder für eine kurze Taxifahrt. Ich schleiche oft stundenlang durch die Stadt, warte an belebten Plätzen und signalisiere so meine Verfügbarkeit. Wenn dabei über ein paar Stunden niemand zusteigt wird das Ganze erstens langweilig und zweitens nervt es. Es stellt sich dann rasch die Sinnfrage und oftmals antwortet dann die innere Stimme mit: sinnlos!

In den letzten Jahren ist mir das nicht so stark aufgefallen, denn ich hatte einen Stammgast, mit dem ich drei- bis viermal pro Woche für mehrere Stunden unterwegs war. Es ging dabei weniger um das Rikschafahren an sich, ich war eher eine Art Gesprächspartner und Unterhalter. Oftmals spielten wir auch zusammen Schach und auch dafür wurde ich bezahlt. Dieser Stammgast ist weggefallen. Weshalb, ist eigentlich egal. Wir hatten keinen Streit. Ich würde einfach mal sagen, dass er sein Leben grundlegend geändert hat und somit auch alte Gewohnheiten ablegte. Wie auch immer: Er füllte eine beträchtliche Zeit meines Arbeitstags aus und einfach verdientes Geld war es auch.

Nun stelle ich also fest wie hart es ist, wenn keine Buchungen anstehen und man auf Spontankunden angewiesen ist. Es ist frustrierend. Es scheint dafür keinen Markt zu geben... Deshalb kam es dieses Jahr schon öfter vor, dass ich nach vier oder fünf Stunden ohne wirklichen Erfolg die Segel streiche. Ich habe dann jeweils das Gefühl, dass jede andere Tätigkeit sinnvoller ist und ich eigentlich nur den Tag totschlage.

Solange ich eine feste Buchung pro Tag habe, ist es o.k. Dann ist ein Minimaleinkommen garantiert und somit lassen sich Stunden ohne Erfolg besser verkraften. Wenn aber keine Buchung vorliegt, ich über fünf Stunden in der Stadt rumlungere und nur ein paar Franken verdiene, dann schlägt mir das mittlerweile echt aufs Gemüt.

Gestern und Vorgestern hatte ich je eine Buchung und investierte davor oder danach mehrere Stunden für Spontanfahrten. Mit sehr bescheidenem Erfolg. Heute hatte ich nun keine einzige Buchung, doch morgen bin ich ausgebucht und kann somit gutes Geld verdienen. Diese Situation war nun der Auslöser dafür, dass ich heute blau machte und mir eine schöne Bikerunde gönnte.

Ich habe mir eine lange und anstrengende Tour zurechtgelegt. Mein freier Tag soll zumindest meiner Fitness zugute kommen. Es war ein herrlich warmer Tag und ich genoss jeden Kilometer. Das GPS sagt: 69 km, 4:40 Std., 1'480 Hm